Koevolution von Mensch und Kultur - abgeschlossen

3. Arbeitsschritt im Humanprojekt

Die Beschäftigung mit der Evolution der Freiheit und den Funktionen des Bewusstseins wird es ermöglichen, auch einen weiter führenden Ausblick zu wagen. Die verschiedenen Aspekte, die im Humanprojekt behandelt wurden, werden zusammen genommen dazu beitragen, das Selbstverständnis des Menschen unter den gegenwärtigen Bedingungen angemessen zu bestimmen. Im Rahmen der anthropologischen Selbstverständigung, die das zentrale Anliegen des Humanprojekts darstellt, wird auch die Kultur in ihrem Entwicklungsprozess Beachtung finden. Schließlich offenbart sich das menschliche Bemühen um Steigerung und Verbesserung nirgendwo besser als in den Errungenschaften der Kultur, wie auch immer man diese im Einzelnen bewerten mag. Außerdem muss die Frage diskutiert werden, ob die „natürliche“ biologische Evolution des Menschen mit den gegenwärtigen menschlichen Lebensformen beendet sei, stattdessen die Evolution nun auf dem Gebiet der Kultur stattfinde und schließlich in eine Autoevolution des Menschen münden könne. Hiermit gelangt man zu Fragen, die nur ausgehend von einem aufgeklärten Selbstverständnis darüber, was es überhaupt heißt, ein Mensch zu sein, angemessen beantwortet werden können: Welche Stellung hat der Mensch in der Natur und welche Möglichkeiten hat er, diese Stellung zu beeinflussen? Wie weit wollen wir in unserer kulturellen Verfügung über die Welt und über unsere eigene Natur gehen? Stellen diese neuen Möglichkeiten einen Zugewinn an Freiheit dar? Welche Rolle spielt Bewusstsein unter der Bedingung seiner Manipulierbarkeit? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen ergeben sich aus der im Humanprojekt vorzunehmenden anthropologischen Selbstverständigung?

Traditionellerweise werden diejenigen Leistungen und Institutionen von Menschen als Kultur bezeichnet, die in einem vermuteten Gegensatz zu einem unterstellten Naturzustand des Menschen stehen. Kultur ist damit eine spezifisch menschliche Eigenschaft, die im engeren Sinne keinem anderen Tier zugesprochen wird. Zwar finden sich zumindest Vorformen kultureller Praktiken und Techniken schon bei (nicht-menschlichen) Primaten und anderen Tieren. Doch erst durch evolutionäre Prozesse wurden diese Vorformen zu den Bedingungen menschlicher Kultur transformiert.
Die Auseinandersetzung mit den kulturellen Rückwirkungen auf die biologische Entwicklung und der Genese zum Menschen leistet damit einen aktuellen Beitrag zur menschlichen Selbstverständigung. Konkret sollen Techniken und Werkzeuggebrauch, aber auch die Mechanismen der Vermittlung und Weitergabe von Fähigkeiten näher betrachtet werden, um die Kohärenz und die wechselseitige Abhängigkeit von biologisch-genetischer und kultureller Evolution zu erhellen.
Mit Blick auf das menschliche Selbstverständnis wird mit diesem Vorgehen auch der Versuch unternommen, im Vergleich zu den anderen Tieren spezifische Eigenschaften und Leistungen der menschlichen Tiere zu bestimmen.

Die Ergebnisse des dritten Arbeitsschritts der AG werden in dem Band "Evolution in Natur und Kultur" veröffentlicht.