Was ist der Mensch? - abgeschlossen

Was unterscheidet den Menschen vom Affen? Haben wir Menschen einen freien Willen oder belegen die Neurowissenschaften das Gegenteil? Ist die Vernunft ein Merkmal, das nur Menschen haben, oder können auch Computer vernünftig sein? Was ist denn überhaupt der Mensch? Diesen Fragen widmet sich der Band "Was ist der Mensch?", der aus einem Symposion der AG Humanprojekt hervorgegangen ist.

Die Frage Was ist der Mensch? hat eine lange Tradition. Jetzt hat die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften einen ungewöhnlichen Versuch unternommen, sich mit ihr auseinanderzusetzen. In dem soeben erschienenen Band suchen rund achtzig Autoren – neben Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen auch Vertreter östlicher und westlicher Kulturen, Schriftsteller, Politiker und Religionsvertreter – nach aktuellen Antworten auf die Frage nach dem spezifisch Menschlichen des Menschen. Vertreten sind u.a. Julia Fischer und Annette Schavan, Bischof Huber und Kardinal Lehmann, Michael Tomasello und Jürgen Mittelstrass, Merlin Donald und Rajendra Dengle.

In manchen Beiträgen wird auf traditionelle Bestimmungen des Menschen zurückgegriffen. Der Mensch erscheint als das vernünftige Lebewesen oder das sprachbegabte Tier. Einige Autoren verstehen den Menschen vor allem als autonomes Individuum, als Person. Andere dagegen – eher aus fernöstlicher Perspektive – sehen Menschen vor allem in soziale Netze eingebunden. Aktuelle Erklärungen der Naturwissenschaften bestimmen mit Hilfe der Evolutionstheorie und der Gehirnforschung zentrale Aspekte des Menschen, etwa das menschliche Bewusstsein. Diese wissenschaftlichen Befunde müssen dann mit unserer „Innenperspektive“ in Verbindung gebracht werden, was z. B. anhand der Debatten über die Willensfreiheit zu regen Diskussionen geführt hat. Auch die Religionen vertreten unterschiedliche Menschenbilder: Es kommen daher neben christlichen Bischöfen Vertreter des Islam, des Judentums und des Buddhismus zu Wort. So erscheint der Mensch in der Textsammlung einerseits als Krone der Schöpfung, andererseits als Element eines sich wiederholenden Kreislaufs. Manche Beiträge nähern sich dem Problem mit Augenzwinkern: Wer eine Tüte Chips aufreiße und nicht leer esse, könne doch kein Mensch sein. Aber es wird auch kritisch diskutiert, ob die Frage Was ist der Mensch? überhaupt wissenschaftlich untersucht werden könne. Welches Fach sei denn genau für sie zuständig?

Die Erwartung der Herausgeber war, dass die lebenswissenschaftliche Wende der letzten Jahre in den Antworten auf die Frage nach dem Menschen erkennbare Spuren hinterlässt. Jetzt ist es den Lesern überlassen, die Spuren zu suchen und zu deuten. Wem sie nicht deutlich genug erscheinen, der sollte es für möglich halten, dass die Kontinuität im menschlichen Selbstverständnis größer ist als der Wandel der Le-
bensverhältnisse vermuten lässt.

Das Buch provoziert, denn es liefert keine abschließenden Antworten, sondern stellt in über siebzig sehr unterschiedlichen Beiträgen ein schillerndes Spektrum aktueller Reaktionen dar. Und vielleicht liegt gerade in der Vielstimmigkeit der kurzen Texte eine Antwort: Wie der Band zeigt, ist der Mensch ein Wesen, das gern immer wieder einmal über sich selbst nachdenkt.

Was ist der Mensch? Im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben von Detlev Ganten, Volker Gerhardt, Jan-Christoph Heilinger und Julian Nida-Rümelin. Berlin/New York: de Gruyter 2008. 10,– €.

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